Wie sich Trauer im Alltag zeigt
Trauer hat viele Gesichter. Sie kann sich als Schmerz und Sehnsucht zeigen, aber auch als Leere, als Müdigkeit oder als das Gefühl, gar nichts zu spüren. Auch der Körper trauert mit: als Schwere, als Enge in der Brust oder im Hals, manchmal als unruhiger Schlaf. Oft geht der Alltag weiter und doch fühlt sich manches fremd an.
Nach einem plötzlichen Tod fühlt sich vieles unwirklich an. Es kann dauern, bis das Geschehene wirklich ankommt. Manchmal beginnt die Trauer schon, solange ein Mensch noch lebt, etwa wenn er schwer krank ist oder sich durch eine Demenz verändert. Auch die Trauer um ein Tier, das lange zu Ihrem Leben gehört hat, kann tief gehen. Betrauert werden kann auch eine Krankheit oder der Abschied von einer Arbeit, von der Heimat oder von einem Lebensplan, der sich nicht erfüllt. Auch eine Trennung kann sich wie ein Verlust anfühlen.
Trauer kennt nicht nur Liebe und Schmerz, sondern manchmal auch Wut, Erleichterung, Schuldgefühle oder Ungesagtes, besonders wenn die Beziehung nicht einfach war. Auch das darf da sein.
Viele fragen sich, wie lange Trauer dauern darf. Das ist sehr individuell. Trauer kommt oft in Wellen und kann auch nach Jahren wieder spürbar werden, etwa an einem Jahrestag. Daran ist nichts falsch.
Wie ich damit arbeite
Was Sie erleben, nehme ich ernst. Ihre Trauer darf so sein, wie sie ist. Wir reden nicht nur über den Verlust, sondern achten darauf, wie er jetzt in Ihnen da ist: im Gespräch, im Körper, in Bildern, die auftauchen. Ebenso wichtig ist, was Ihnen Halt gibt: der Boden unter den Füßen, der Sessel, der Sie trägt, Ihr Atem.
Manchmal ist etwas ungesagt geblieben: ein Dank, eine Entschuldigung, ein Abschied, der nicht mehr möglich war. Wenn Sie möchten, kann das in der Stunde eine Stimme bekommen, zum Beispiel indem Sie aussprechen oder in einem Brief festhalten, was Sie diesem Menschen noch sagen möchten. Auch später lässt sich noch Abschied nehmen, auf eine Weise, die zu Ihnen passt. Das heißt nicht, dass die Verbindung und Trauer damit aufhören müssen. Viele tragen die Beziehung zu einem verstorbenen Menschen in sich weiter, in Erinnerungen, in inneren Gesprächen, in dem, was sie mitgenommen haben.
Manchmal holt ein neuer Verlust frühere Verluste wieder hervor, die damals keinen Raum hatten. Auch das kann Platz finden, in Ihrem Tempo. Auch Fragen nach Sinn, nach Glauben oder nach dem, was bleibt, können wir gemeinsam nachgehen. Ich begleite Sie dabei, der Trauer Raum zu geben und einen Umgang mit dem Verlust zu finden, der zu Ihnen passt.
Die ersten Sitzungen
Im unverbindlichen Erstgespräch lernen wir uns kennen. Sie erzählen, was Sie herführt, so ausführlich oder knapp, wie es Ihnen gerade möglich ist. Ich stelle Fragen, um Ihr Anliegen zu verstehen und beschreibe, wie ich arbeite. Danach entscheiden Sie in Ruhe, ob Sie sich bei mir gut aufgehoben fühlen und eine Therapie beginnen möchten.
In den Stunden danach klären wir gemeinsam, was Sie jetzt brauchen: Halt, wenn der Verlust noch frisch ist, Raum zum Erzählen, wer dieser Mensch für Sie war oder Zeit, um herauszufinden, was ein lange zurückliegender Verlust heute noch in Ihnen bewegt.
Neben dem Gespräch schlage ich manchmal eine kleine Übung oder ein Experiment vor, etwa etwas, das Halt gibt oder Worte an den Menschen, den Sie verloren haben. Ob Sie es ausprobieren, entscheiden Sie – Sie können jederzeit Nein sagen oder abbrechen.
Wenn es Ihnen gerade akut sehr schlecht geht, wenden Sie sich bitte direkt an eine Krisenstelle oder an den Notruf. Dort bekommen Sie sofort Unterstützung.